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Dresdner Mathe-Ass gelingt ein Geniestreich
29 Nachwuchswissenschaftler stellten 24 Projekte beim Landeswettbewerb von "Jugend forscht" in Leipzig vor

von Dresdner Neuesten Nachrichten (Ausgabe Dresden) vom 26.03.2012

Gleich zwei über 200 Jahre alte und bisher ungeklärte Probleme der klassischen Mechanik scheinen gelöst. Und zwar von Shouryya Ray, einem 16-jährigen Schüler des Dresdner Martin-Andersen-Nexö-Gyrnnasiums. Ray, der gerade dabei ist, sein Abitur abzulegen, hat damit am Wochenende beim sächsischen Landesausscheid des Wettbewerbs "Jugend forscht" für eine kleine Sensation gesorgt. "Ray hat ein Jahrhunderte altes mathematisches Problem auf klassischem analytischem Weg gelöst", sagte Wettbewerbsleiter Jens Reichel am Sonnabend bei der Siegerehrung in Leipzig. "Er löste eine Differenzialgleichung, die einst Newton aufstellte, um Fortbewegungen inklusive Strömungswiderständen zu erklären."
Bisher seien diese Berechnungen nur mit enorm viel Computerleistung möglich gewesen.

200 Jahre alte Newton-Formel
Im 17. Jahrhundert formulierte der englische Naturforscher Isaac Newton eine Gleichung, um die Bewegungsbahn eines Objektes einschließlich des Strömungswiderstandes zu berechnen. Auch vom deutschen Physiker Heinrich Hertz stammt
eine Formel. um die Fortbewegung von Partikeln zu beschreiben. "Bisher konnte die Lösung dieser Gleichungen nur annähernd bestimmt werden", erzählt Prof. Udo Hebisch von der TU Freiberg. Die Berechnungen von Shouryya seien intensiv geprüft worden und scheinen zu stimmen, sagt Reichel. "Vielleicht werden sie Schüler in einigen Jahren in ihren Tafelwerken finden", orakelt er.
Auf die Lösung ist der gebürtige Inder nach der Teilnahme an einem Forschungsprojekt gestoßen. Am Institut für Strömungsmechanik der TU Dresden, so erzählt er, wurde er darauf aufmerksam, dass einige Lösungsansätze im Bereich der
Partikeldynamik noch nicht bekannt waren. Prompt suchte er nach einer Lösung.
"Das ist mir offenbar gelungen", sagt der Schüler bescheiden.

Neues Rätsel: Mathe oder Physik?
"Ich beschäftige mich mit mathematischen und physikalischen Themen auch in meiner Freizeit", erzählt der leidenschaftliche Cricketspieler. Was er nach dem Abi macht, ist für ihn jedoch noch ein ungelöstes Rätsel. Shouryya muss sich entscheiden, ob er Mathematik oder Physik studiert. "Vielleicht werde ich mich auf Strömungsmechanik spezialisieren", verriet er den DNN.

Den ersten Platz im Fachgebiet Arbeitswelt sicherte sich die Medizinstudentin Constanze Weber (19) aus Meißen. Sie untersuchte Maße und Kraftverhältnisse von Händen und Fingern bei Kindern und Jugendlichen. Luise Jachunann (19) vom Landesgymnasium St. Afra Meißen verglich das Temperaturverhalten organischer mit dem herkömmlicher Solarzellen.
Das Johannes-Kepler-Gyrnnasium in Chemnitz stellt gleich drei Landessieger: Tom Hähnel (17) erfand einen Barcodescanner, der den Glutengehalt in Lebensmitteln checkt, sein Mitschüler Julius Kunze (17) erhielt den Sonderpreis für das beste
interdisziplinäre Projekt. Linda Marx (17) entdeckte eine bisher noch nicht bekannte Art der Trauermücke. Ein weitererer Preis ging an Charlotte Duesmann und Laura Pasitka (heide 18) aus Leipzig.
Am diesjährigen Landeswettbewerb nahmen die 29 Finalisten der regionalen Vorausscheide im Alter zwischen elf und 20 Jahren mit 24 Projekten teil. Die Landessieger vertreten Sachsen vom 17. bis 20. Mai beim BWldesfinale von "Jugend forscht" in Erfurt.
Benjamin Winkler